SMD-Lötstation für wenig Geld

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Februar 17, 2017 by linguasite

Vor einiger Zeit habe ich einen Bauvorschlag für eine Micro-Lötstation mit Weller-Aktivspitzen vorgestellt (Typ RT für WRMS-Stationen). Die Lötspitze ist für etwa 40 Euro zu haben und es gibt sie in verschiedenen Ausführungen von ultraspitz (0,1 mm) bis zur Meißelform mit 1,5 mm Breite.

Was diese Lötspitze so speziell macht, ist der Aufbau mit integrierten Heizelement einschließlich Temperaturfühler sowie die geringe Masse, was sie dank der 50 Watt Leistung sehr schnell aufheizen lässt. Am Ende befindet sich ein gewöhnlicher 3,5mm-Klinkenstecker mit drei Kontakten, an denen Masse, 12V und Messfühler angeschlossen sind. Im Prinzip lässt sich ein einfaches Klinke-Verlängerungskabel aufstecken und schon hat man einen fertigen Lötkolben in der Hand.

Diese Konstruktion fand ich nicht besonders ergonomisch, deshalb habe ich mir aus einer Cinch-Kupplung und etwas Karbon-Rohr einen gut ausbalancierten und trotzdem leichten Griff gebaut. Das Silikon-Kabel ist 5mm dünn und sehr flexibel. Allerdings habe ich keine Bezugsquelle für das Kabel alleine gefunden und deshalb einen PT100-Temperatursensor mit ausreichender Kabellänge gekauft und in zwei Teile gestückelt, um den Sensor anderweitig verwenden zu können.

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#Schrauberpodcast: Pi mal Daumen PxD001 – Hasnichgesehen

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Februar 16, 2017 by linguasite

Hier ist sie, die erste Folge des weltweit ersten norddeutschen Schrauberpodcasts „Pi mal Daumen“! Wir fangen klein an, nämlich mit …
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Es ist ein Schrauberpodcast! Pi mal Daumen – die Nullnummer PxD000

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Februar 15, 2017 by linguasite

Kaum ist man mal eine Weile mit anderen Sachen beschäftigt, ist schon wieder ein Jahr ohne neuen Blogartikel rum. Aber ich war nicht untätig und habe in dieser Zeit meinen ersten Podcast produziert.

Nein. So lange hat es nicht gedauert. Mir ist nur zwischendurch die Lust am Bloggen verloren gegangen 😉

Podcasts sind eine tolle Sache. Lehrreich, unterhaltsam, spannend und sie sind seit vielen Jahren mein Lieblingsmedium. Irgendwann fiel mir auf, dass es zwar zu allen möglichen Themen das passende Audiomaterial gibt, aber Schraubereien im weitesten Sinne (also alle handwerklichen Tätigkeiten) stark unterrepäsentiert sind.

Deshalb habe ich einen Schrauberpodcast produziert und mich dazu mit Leuten aus ganz unterschiedlichen Berufen und mit unterschiedlichen Hobbys unterhalten, um mehr über sie zu erfahren.

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Magnetischer Platinenhalter

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Februar 27, 2016 by linguasite

Wie macht Ihr das, wenn Ihr an einer Platine herumlöten wollt? Ob komplette oder teilweise Bestückung, auslöten von durchgesteckten oder oberflächenmontierten Bauteilen, Reparaturen – irgendwie muss die Platine stabil gehalten werden.

drittehandBisher hatte ich so eine “Dritte Hand” im Einsatz, ein Stativ mit zwei Kokoklemmen. Das Teil ist aber einfach zu wackelig, wenn großere Platinen eingespannt sind oder ein Bauteil mit viel Kraftaufwand herausgehebelt werden soll.

Weller hat eine stabilere Lösung im Angebot. Das ist ein Lötrahmen mit zwei Backen, die sich zusammenschieben und festklemmen lassen. Das Teil ist allerdings teuer und die Anwenderberichte sind eher durchwachsen.

schraubstockFür kleinere Platinen tut es ein Mini-Schraubstock. Damit lässt sich auch mal ein Stecker an ein Kabel anlöten oder eine Litze verzinnen. Aber auch die Lösung ist nicht wirklich komfortabel, weil ich mit einer Hand die Platine oder den Stecker zwischen die Backen balancieren muss, um gleichzeitig mit der anderen Hand an der Spindel zu drehen.

Dann gibt es noch diverse Lötrahmen mit Spannfedern. Die sind aber relativ leicht gebaut und ebenfalls unhandlich, in typischer China-Grabbeltisch-Qualität. Das ist auch nichts für mich.

LR250M_04Vor einiger Zeit sind mir bei einem Hersteller von Reflow-Lötanlagen ein paar kleine Alu-Winkel mit eingepressten Magneten aufgefallen. Die lassen sich einfach auf eine Stahlplatte setzen, zusammenschieben und die Platine dazwischen einspannen. Also habe ich mir diese Winkel besorgt und damit gearbeitet. Das funktioniert im Prinzip nicht schlecht, aber die Magnete sind zu schwach, die Winkel zu klein und die Spannmöglichkeiten zu unflexibel.

Deshalb habe ich mir überlegt, wie sich sowas perfektionieren ließe. Passende Alu-Winkel gibt es bei Fischer-Elektronik als Kühlkörper für Leistungsbauteile. Im Einzelhandel sind diese Winkel derzeit leider nur bwinkel-3deim großen “C” erhältlich. Größere Stückzahlen (ab 20) lassen sich direkt beim Hersteller beziehen. Um senkrecht oder waagerecht Platinen oder Stecker einspannen zu können, habe ich mir entsprechende Nuten in die Winkel gefräst. Auch die Oberkante ist angefräst, um größere Werkstücke, z.B. ein Gehäuse, halten zu können.

Kräftige Magnete finden sich in großer Auswahl bei Ebay. Ich habe mich für Neodym-Ringmagnete 10x3mm entschieden. Die Haltekraft pro Magnet liegt bei ca. 1,5kg. Bei drei Magneten pro Winkel habe ich die beste Stabilität, wobei sich die Magnete trotzdem noch gut auf der Grundplatte verschieben lassen. Durch das Loch in der Mitte werden die Magnete vernietet.

Als Basis habe ich mir 2mm Stahlblech auf 100x200mm zuschneiden lassen. Damit diese Platte nicht auf dem Arbeitstisch verrutschen kann, wird sie auf der Unterseite mit Neopren beklebt. Die Oberseite habe ich durch eine Folie aus PTFE-beschichtetem Glasgewebe mit Silikonkleber geschützt (Hightechflon). Das Zeug ist genial, weil es hitzebeständig und leicht zu reinigen ist.

Und so sieht das fertige Gerät aus:

LR2010-90_01

Diesen Halter habe ich jetzt seit ca. 2 Wochen im Einsatz und benutze ihn wirklich ständig, selbst wenn ich nur mal schnell einen Draht verzinnen will. Er nimmt wenig Platz auf der Werkbank weg und ist so leicht zu bedienen, dass ich an Schraubstock und Krokoklemmengestell überhaupt nicht mehr denke.

Weil die Einzelteile in kleinen Mengen kaum zu bekommen sind, habe ich gleich ein paar mehr gebaut. Wer einen haben will, kann den über mein Ebay-Profil bestellen oder mir hier eine Nachricht hinterlassen.


Blogger: Was motiviert Euch?

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August 13, 2015 by linguasite

Seit ich mich mit Blogsoftware beschäftige, es dürften etwa 10 Jahre sein, habe ich einige Blogs angefangen, zu sehr unterschiedlichen …
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EEVblog: How To Measure Battery Cutoff Voltage

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August 12, 2015 by linguasite

Dave Jones hat vor einiger Zeit den „Batteriser“ debunked, also als Unfug enttarnt.

Dave introduces his Product Baloney Detection Kit, and offers a step-by-step how-to tutorial guide to debunking wild marketing claims on tech products.
In this case the Batteriser, a boost converter that fits around ordinary AA batteries which claims to increase the battery life by up to 800%.

http://www.eevblog.com/2015/06/07/the-batteriser-explained/

„Batteriser“ behauptet, mit ihrem Produkt hielten Batterien acht mal solange durch wie ohne.

Im aktuellen Video reagiert Dave auf eine Erwiderung von Batteriser:

Another in a series of battery tutorials, Dave explains how to correctly measure the battery cutout voltage of a product.
And how to take internal resistance of a battery into account.
And also a detailed response to a video from Batteriser claiming Dave is wrong in using a PSU to measure the battery cutoff voltage, and why this is complete folly.

Unterhaltsam und lehrreich, wie immer. Anschauempfehlung!

 


Solid-State-Relais

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August 11, 2015 by linguasite

In meinem Reflow-Ofen habe ich Solid-State-Relais von Sharp verbaut. Das kompakte SIL-Gehäuse dieser Baureihe hat mir gut gefallen, außerdem können diese kleinen Teile relative große Lasten (bis zu 16A) schalten. Beim Einkauf war ich aber zunächst etwas ratlos: Die Preisspanne reicht von 2,50 bis knapp 10 Euro. Äußerlich sehen sie alle gleich aus. Wo sind also die Unterschiede?

SSRS202S02_04

Ich habe mich für den Typ S202S02 entschieden, weil ich diese Empfehlung in einem Elektronikforum gelesen habe. Damit lag ich nur sehr knapp daneben.

Schauen wir uns die Typenbezeichnung an.

S 2 02 S 0 2

Am Anfang steht immer ein „S“.

Die folgende „2“ bezeichnet die Nennspannung von 600V. Steht dort eine „1“, ist es die 400V-Ausführung. Da beim Schaltvorgang immer Spannungsspitzen entstehen, sollte für 230V-Schaltungen die 600V-Variante (S2) verwendet werden. Sharp empfiehlt die 400V-Ausführung nur für 120V-Netze.

S202S02-800x533Die nächsten beiden Ziffern geben einen Hinweis auf den Nennstrom. Die „02“ steht für 8A. Steht dort eine 12, handelt es sich um die 12A-Variante, eine 16 steht für 16A und eine 05 mit 5A gibt es auch, aber irgendwie kam niemand auf die Idee, für 8A eine 8 dort hin zu schreiben. Um die Sache komplizierter zu machen, gibt es auch Bauteile mit kleinerem Gehäuse. Die sind mit einem T gekennzeichnet, z.B. S202T02. Dieses Teil kann nur 2A schalten.

Die vorletzte Ziffer zeigt an, ob im Bauteil bereits ein Snubber-Circuit integriert ist (0= ohne, 1=mit). Das ist eine Reihenschaltung von Widerstand und Induktivität, das die Flankensteilheit beim Schaltvorgang begrenzt.

An der letzten Ziffer lässt sich erkennen, ob das Solid-State-Relais im Nulldurchgang schaltet (2) oder nicht (1). Sobald mit induktiven Lasten oder längeren Zuleitungen gearbeitet wird, muss im Nulldurchgang geschaltet werden, sonst hält das Bauteil nicht lange. Nur rein ohmsche Lasten mit kurzer Zuleitung können unter Spannung geschaltet werden.

 

Beispiele:

S202S02 – 600V, 8A, kein Snubber, Nulldurchgang-schaltend

S202S12 – 600V, 8A, Snubber, Nulldurchgang-schaltend

S216S01 – 600V, 16A, kein Snubber, nicht Nulldurchgang-schaltend

S202S11 – 600V, 8A, Snubber, nicht Nulldurchgang-schaltend

Warum habe ich mich mit dem S202S02 nur fast richtig entschieden? Perfekt wäre der Typ S202S12 (mit Snubber) gewesen, der etwa doppelt so teuer wie der S202S02 ist. Die Nulldurchgangsschaltung hätte ich nicht zwingend gebraucht, ist aber sicherer, da ich die Induktivität der Heizstäbe nicht kenne.

In meine Schaltung musste ich deshalb noch Platz für einen Hochspannungs-Kondensator und einen Hochlastwiderstand einplanen (rechte Platine oben).

meruto_main_053b

Datenblätter:

http://sharp-world.com/products/device/lineup/data/pdf/datasheet/s102t01_e.pdf

http://www.sharpsme.com/download/s112s01-epdf

http://sharp-world.com/products/device/lineup/data/pdf/datasheet/s102s11_e.pdf

http://sharp-world.com/products/device/lineup/data/pdf/datasheet/s102s02_e.pdf


Step by Step: Video Stepper Motor Basics

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August 11, 2015 by linguasite

In den letzten Beiträgen der Serie „Step by Step“ habe ich einige Grundlagen der Schrittmotor-Ansteuerung erklärt. Ein Video von STMicroelectronics geht hier noch etwas mehr in die Tiefe, zeigt mathematische Zusammenhänge und illustriert verschiedene Optimierungsmöglichkeiten:

Stepper motor basics (ePresentation) STMicroelectronics (39:31)


Reflow-Ofen mit IBoard EX

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August 10, 2015 by linguasite

Die Zeit der Durchsteck-Montage in elektronischen Schaltungen geht auch im Hobby-Bereich dem Ende zu. SMD-Bauteile sind inzwischen so klein, dass nur mit feinstem Lötwerkzeug und unter dem Mikroskop noch eine saubere manuelle Montage gelingt. Deshalb gehört heute auch ein Reflow-Ofen in die Bastelwerkstatt. Bleibt die Frage: Selber bauen oder kaufen? Für mich gab es da natürlich nur eine Antwort.

Nun bin ich weder der erste noch der einzige Bastler, der sich einen Lötofen baut, und deshalb habe ich mir erst mal ein paar Inspirationen geholt, versucht, das Prinzip der Regelung zu verstehen und zu wissen, worauf ich bei der Konstruktion achten muss.

Zunächst brauchen wir einen geeigneten Pizza-Ofen. Er sollte oben und unten mindestens zwei Quarz-Heizstäbe haben und die Leistung muss deutlich über 1000 Watt betragen, damit eine kurze Aufheizphase möglich ist. 1500 Watt wären ideal, habe ich festgestellt. Bei mir sind es 1200 Watt in einem Aldi-Modell, das ich für 15 Euro bei Ebay gefunden habe. Das genügt gerade so, um die erforderliche Aufheizkurve abfahren zu können.

So ungefähr sah das Teil aus, bevor ich es zerlegt habe, allerdings mit silberner Oberfläche und in neuwertigem Zustand:

fif1200

Beim nächsten Projekt würde ich mich vermutlich anders entscheiden und ein flacheres Gerät mit mehr Leistung wählen, das auch gerne etwas hochwertiger verarbeitet sein darf. Das Blech dieses Ofens ist schon sehr dünn und hat mir bei der Bearbeitung einige Sorgen bereitet.

Meine Vorgaben sahen folgendermaßen aus:

meruto_panel_005_licht_expSeparate Ansteuerung für Ober- und Unterhitze, zwei Temperaturfühler (Platinen- und Gehäusetemperatur), Timerfunktion bis 255 Minuten oder 255 Sekunden, programmierbare Temperaturkurven, Dauerheizung. Die Bedienung sollte über einen Dreh-Encoder laufen, als Anzeige wird ein LCD mit 2×8 Zeichen verwendet. Zusätzliche LED-Anzeigen signalisieren, ob ein Heizelement gerade eingeschaltet ist, außerdem gibt es eine Betriebsanzeige für die Netzspannung.

Bis zu 10 Programme je Funktion möchte ich abspeichern können, um so je nach Platine, Bestückung und verwendeter Lötpaste unterschiedliche Kurven fahren zu können. Eine Fernsteuerung über Netzwerk habe ich auch eingeplant, zusätzlich lässt sich das Gerät über den USB-Anschluss seriell (RS232) steuern.

In meiner Arduino-Kiste habe ich noch ein IBoard EX von iTead gefunden, welches genau das richtige Format und alle nötigen Funktionen hat.

iboard_ex

Auf dem Board sitzt ein ATMega32U4 mit Leonardo-Bootloader. Dieser USB-Bootloader verlangsamt den Systemstart etwas, deshalb werde ich den wohl irgendwann mal rausschmeißen.

Das große Flatpack ist ein Wiznet-Controller für das Netzwerk. Außerdem ist noch ein SD-Sockel verbaut. Die Anschlüsse sind nicht Arduino-kompatibel, aber das war hier auch nicht wichtig, weil ich eine spezielle Steuerplatine gebaut habe, die direkt auf dem iBoard sitzt und an den passenden Pins andockt.

Das Bedienteil befindet sich auf einer separaten Platine, die im Frontpanel eingebaut ist und über Flachbandkabel mit dem Steuer- und Leistungsteil verbunden wird. Die Heizelemente werden über zwei Solid-State-Relays S202S02 von Sharp geschaltet.

pcb_ready_etched

Auf der linken Seite ist das Bedienteil, die rechte Platine enthält die Leistungselektronik, das Interface zum IBoard und einen Delta-Sigma-A/D-Wandler MCP3550 für die Temperatursensoren. Die Spannungsversorgung läuft über ein kleines Schaltnetzteil, das ebenfalls im Frontpanel sitzt.

So sieht die fertig bestückte Leistungsplatine aus:

power_pcb_assembled

Das schwarze Plastikteil hinten links ist ein Piezo-Summer. Im Vordergrund ist der Kühlkörper für die S202S02 zu sehen, davor befindet sich der Snubber-Circuit, das ist eine RC-Reihenschaltung als Dämpfungsglied. Einen Überspannungsschutz (Varistor) habe ich zur Sicherheit ebenfalls eingebaut.

So viel erst mal für heute. Die Programmierung und Kalibrierung ist ein eigenes Kapitel und wird in einem späteren Beitrag erklärt.


Bitte umwerbt mich!

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August 10, 2015 by linguasite

AdBlock aktiviert, NoScript konfiguriert, Cookies streng kontrolliert, Flash deinstalliert, Spam isoliert, PR-Artikel sofort identifiziert, den Rest ignoriert – mein Netz ist werbefrei. Das langweilt mich.

Liebe Werber,

ich bin echt leicht zu haben: Für Werbung, die mich interessiert. Es gibt bestimmt viele tolle Angebote und technische Spielereien, von denen ich überhaupt nichts weiß, obwohl ich sie sofort kaufen würde. Warum erzählt Ihr mir nichts darüber? Nur weil ich Euch aus meinem Online-Leben verbannt habe, heißt das doch nicht, dass ich ein schlechter Konsument bin, oder?

Ja, ich weiß. Genau das ist Euer Dilemma: Ihr habt überhaupt keine Ahnung, was mich interessiert, obwohl Ihr pausenlos versucht, genau das herauszufinden. Ihr sollt das auch überhaupt nicht herausfinden. Außer ich erzähle es Euch. Und das tue ich ebenfalls pausenlos, auf vielen Kanälen. Aber niemand hört mich. Reden wir vielleicht einfach konsequent aneinander vorbei?

Eigentlich mag ich Werbung. Ich lese zum Beispiel alle Newsletter, die ich freiwillig abonniert habe. Wenn Pollin, RS, Distrelec oder Reichelt neue Produkte vorstellen, schaue ich mir jedes davon genau an. Wenn Delwi, Harlander oder ESM-Computer ihre gebrauchte Hardware anpreisen, überlege ich sofort, ob ich davon nicht etwas gebrauchen könnte. Auch die Mails von diversen Ebay-Shops öffne ich, und regelmäßige Angebote von Fachverlagen oder Software-Anbietern interessieren mich auch.  Meinen Adblocker deaktiviere ich sogar auf manchen Seiten, weil die Werbung dort so interessant ist, dass ich sie nicht verpassen will oder weil sie zumindest nicht nervt. Dave Jones mit seinem EEV-Blog ist so ein Fall. Oder der Heise-Newsticker.

Auch in der Offline-Welt ist Werbung manchmal OK. Wenn ich die “brand eins” lese, freue ich mich über kreative und thematisch passend gestaltete Anzeigen. Die Werbung im Make-Magazin ist ebenfalls meistens interessant. Weil es sich dort um Angebote handelt, die für mich potentiell nützlich sind. Sogar im lokalen Werbeblättchen lese ich die Annoncen der örtlichen Betriebe, wenn sie schön gemacht sind.

Aber das, was zur Zeit unter dem Namen Onlinewerbung auf die Netzbewohner losgelassen wird ist, sorry, unter aller Kanone. Es ist technisch eine absolute Zumutung, wenn der Werbecontent mehr Speicher- und Übertragungskapazität benötigt als der Nutzcontent. Aber auch optisch besteht Onlinewerbung aus einer Reihe von Ohrfeigen und Peitschenhieben: Kauf! Mich! Jetzt! Du! Sau!

Wer tut sich denn sowas freiwillig an? Wer will auf Schritt und Tritt von Stalkern und Marktschreiern verfolgt werden, deren Angebot so komplett neben meinen Interessen liegt, dass es schon wieder lustig bis absurd ist? Meint Ihr echt, wenn ich auf Scienceblogs einen atrologiekritischen Artikel lese, möchte ich Werbung für die nächstbeste Wahrsager-Hotline sehen? Oder weil ich via Google nach dem Begriff “Multivibrator” gesucht habe, bin ich auf den nächsten zehn Online-Magazinen reif für Sexspielzeug-Anzeigen? Seid Ihr nicht ganz dicht? Sowas kann man doch nur blocken. Das ist Notwehr.

Aber schauen wir uns lieber an, was bei mir funktioniert:

Themenbezogene Werbung:

Wenn ich mich auf Seiten bewege, die mich thematisch interessieren, kann dort auch gerne passende Werbung angezeigt werden. Aber bitte ohne Gezappel, ohne grelle und ablenkende Flash-Animationen und vor allen Dingen: ohne Ton! Wenn ich in einem Tech-Blog Texte über mobile Endgeräte lese, schaue ich mir auch gerne Hinweise auf die neuesten fernöstlichen Gadgets an, ohne die ich zukünftig als notorischer Technikverweigerer gelte. Wenn ich die Website eines Fachmagazins für Programmierung besuche, interessieren mich vermutlich auch passende Entwicklungswerkzeuge und Fachliteratur. Aber ich will dort sicher keine Reise buchen und auch keinen Gebrauchtwagen erwerben.

Newsletter:

Dank ziemlich eindeutiger Gesetzgebung entscheide ich selbst, ob ich einen Newsletter bekommen möchte oder nicht. Deshalb erreichen mich nur Newsletter von Firmen, denen ich wohlgesonnen bin. Die möchte ich aber bitte nicht jeden Tag haben. Einmal pro Woche langt völlig. Wenn es irgendwelche Sonderaktionen gibt, etwa Gutscheine oder zeitlich befristete Angebote, auch mal einen zwischendurch. Und gestaltet die bitte so, dass ich ihnen alle relevanten Informationen entnehmen kann. Ich will nicht erst irgendwas anklicken, um zu erfahren, dass der gezeigt Artikel in Wirklichkeit überhaupt nicht das ist, was im Newsletter behauptet wird.

Print:

Magazine aus Papier haben auch im Online-Zeitalter noch diverse Vorteile. Sie brauchen keinen Strom, keine Netzwerkverbindung, sind günstig zu erwerben, auch bei hellem Sonnenlicht gut lesbar und, für mich wichtig, im Idealfall optisch ansprechend gestaltet, mit eleganten Schriften, gut gemachter Grafik, hoher Auflösung und auf haptisch angenehmem Papier gedruckt. Das ist doch ein ideales Umfeld, um auch Werbung interessant zu gestalten. Als Leser nehme ich mir viel mehr Zeit als vor dem Monitor, kann also auch einen ausführlicheren Werbetext in Ruhe lesen, wenn er mir etwas zu erzählen hat, was sich von plattem Marketing-Blabla deutlich unterscheidet.

Social Media:

Das scheint ein besonders schwieriges Umfeld zu sein, weil Werbung dort wenig Akzeptanz findet. Da geht es mehr um die persönlichen Beziehungen. Wer eine Markenbindung in sozialen Netzwerken erreichen will, muss das vorzugsweise auf der persönlichen Ebene tun. Von Facebook habe ich mich schon vor einiger Zeit verabschiedet, deshalb kann ich nicht beurteilen, womit Anbieter dort erfolgreich sind. Bei Twitter fallen mir besonders Firmen auf, die durch guten Service auf sich aufmerksam machen, zuhören können, unterhaltsam sind und dem Kunden helfen können, wenn es darauf ankommt. In meiner Timeline sei hier beispielhaft der Account von Reichelt genannt, weil die Kommunikation herzlich, persönlich und natürlich ist. Pollin reagiert durchaus auf Anfragen, könnte aber noch viel mehr Interaktion zeigen. Aber auch diverse Halbleiterhersteller machen dort gute Arbeit. Atmel liefert ständig interessante Beiträge auf dem “Makes“-Account, allerdings empfehle ich eher deren Blog “Bits & Pieces“. Micrel hat durchaus etwas zu erzählen, ist aber ziemlich einseitig in der Kommunikation, Analog liest sich gut, betreibt aber reinen Sendebetrieb. Von LT würde ich mir auch etwas Diskussionbereitschaft wünschen. Da ist also noch viel Luft nach oben.

Sonstige Online-Werbung:

Online-Werber geben sich ja viel Mühe beim “Targeting“, also dem Versuch, möglichst passende Werbung zu liefern, gewöhnlich auf Basis riesiger Datensammlungen. Es bleibt nur leider bei “stets bemüht” und der Note “ungenügend”. Wenn ich den Eindruck habe, dass sich Werbung an meinen Surfgewohnheiten orientiert, fühle ich mich ausspioniert. Seiten, die mir Werbung präsentieren, die sich irgendwie auf meine History bezieht, besuche ich nie wieder. Wenn ich den Shop von Conrad Electronic aufrufe (was mir so gut wie nie passiert), werde ich über diverse andere Seiten von deren Anzeigen verfolgt. Das deutet also auf Tracking-Cookies hin und ich will das nicht. Außerdem lässt die Datenschutzerklärung von Conrad sehr viel Spielraum für exzessiven Adresshandel. Im Ergebnis hat Conrad deswegen bis an mein Lebensende keine Chance mehr, mit mir Geschäfte zu machen. Wenn ich ewas suche, das es nur bei Conrad gibt, brauche ich es definitiv nicht, zumal Service und Preise ohnehin für mich indiskutabel sind.

Targeting in der Form, dass die Werbung zum jeweiligen Thema der aufgerufenen Seite passt, finde ich in Ordnung. Das ist meiner Meinung nach auch mit weniger Aufwand für die Werbe-Anbieter verbunden. Anstatt im riesigen Heuhaufen mit enormem Rechenaufwand ein “Target” zu finden, dürfte es doch einfacher sein, sich dort hinzustellen, wo das Zielpublikum freiwillig hingeht, oder? Dort kann ich als Anbieter auch mit viel mehr Aufmerksamkeit und weniger Ablehnung rechnen.

tl;dr

Also, liebe Werber: Bitte umwerbt mich! Grundsätzlich interessiert mich, was Ihr zu sagen habt. Euer Problem kann ich nicht lösen. Ich kann euch nur erzählen, wie Ihr mich erreicht. Aber wer mich anbrüllt, verfolgt und ungefragt belästigt, auf welchem Wege und in welchem Medium auch immer, fliegt raus. Für immer.


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